Ireland – Teil 2

Zweifelsohne ist der „Ring of Kerry“ landschaftlich eines der schönsten Gebiete Irlands, aber… ich persönlich würde es nicht als DAS schönste Gebiet bezeichnen. Ich holpere weiter über die N70, bin fester Bestandteil der Touristenkarawane…

Ring of Kerry

…das Wetter hat sich wider den Vorhersagen, nicht gebessert – aber man weiß ja, in Irland kann von einer Minute auf die andere die Sonne wieder scheinen.

Ring of Kerry

Ich denke mir nur: „Und plötzlich ist da jemand, der kippt einfach ein paar Eimer Farbe in dein Leben und macht deine Welt wieder bunt“ so wird es hoffentlich auch mit dem Wetter sein, ich vertraue darauf. Auf meiner Strecke liegt nun das viktorianische Seebad Waterville…

Waterville

…eine kleine Ortschaft die für 10 Jahre ein beliebtes Urlaubziel für einen großen Namen, nämlich Schauspieler Charlie Chaplin, war. Auch wir machen Pause hier, trinken Kaffee in einem kleinen Laden – ich darf auch meinen Hund mit hinein nehmen.

Waterville

Der einzige Gast, außer mir, erzählt von seinem Aufenthalt in Österreich und die Besitzerin des Geschäftes erklärte mir etwas über Telegrafenkabel. Erst nach mehrmaligem Nachfragen verstehe ich, das erste Transatlantikkabel wurde 1865 von hier aus verlegt. Das ermöglichte die Übermittlung von Morsezeichen zwischen Europa und Nordamerika. Damals eine riesen Errungenschaft, heute in der Zeit von WLAN und Bluetooth,  man kann sich das gar nicht mehr vorstellen. Ob ich dem starken Touristenverkehr irgendwie auskommen kann, frage ich. „Wo soll es den hingehen“, die prompte Antwort – „in Richtung Norden“ – „na ja“ heißt es und weiter etwas philosophisch „man muss das Ziel schon kennen um den Weg zu finden“ – wie so oft im Leben.

Waterville

Hier erfahre ich auch warum mir auf der Straße so viele Busse entgegenkommen. Einer inoffiziellen Absprache zufolge fahren die Busse gegen den Uhrzeigesinn und Autos im Uhrzeigersinn um die Halbinsel. Grund dafür sind die allzu engen Fahrbahnverhältnisse, man müsste so immer wieder hinter einem langsam fahrenden Bus herfahren.

Dann lese ich noch ein Zitat von Charlie Chaplin:

„Wir brauchen uns nicht mehr fürchten vor Auseinandersetzungen, vor Streit oder all den Problemen, die wir glauben zu haben. Denn sogar wenn Sterne aufeinander prallen, entstehen neue Welten.“  Interessant.

Ich verlasse den „Ring of Kerry“ mit gemischten Gefühlen und steuere in Richtung Limerick. Auf dem Weg dorthin treffe ich auf ein paar sonderbare Gestalten.

Ring of Kerry

Fotografieren gerne, aber nur wenn man in das kleine Gefäß über der Feuerstelle ein paar Münzen einwirft. Es soll aber nicht zu meinem Schaden sein, so wird mir versichert – es bringt Glück. Das Geschäft mit dem Quäntchen Glück nachdem wir alle suchen, ich glaube er und seine Tiere können sogar davon leben. Mir soll´s recht sein, haben doch alle etwas davon.

Ich komme durch Milltown, ein Plakat wirbt „Best of irish produce , locally sourced“ Das weckt meine Aufmerksamkeit oder eigentlich meinen Hunger.

Milltown Larkin`s Pub

It´s time for lunch, dachte ich mir, Larkin`s Pub bietet die Gelegenheit dazu, warum nicht. Die Auswahl ist schnell getroffen – Shepherd’s Pie – ein traditionelles irisches Gericht.

Milltown Larkin`s Pub

Es besteht grundsätzlich aus zwei Schichten wobei die obere aus fein geriebenen Kartoffeln und die untere aus Hackfleisch besteht. Das Hackfleisch vorzugsweise vom Lamm, darum auch Shepherd’s Pie. Wenn man ehrlich ist, ich glaube nicht dass es die Kunst der meisten irischen Köche ist die die Besucher auf die Insel lockt.

So gestärkt mache ich mich wieder auf den Weg in Richtung Tagesziel, Limerick. Dann entscheide ich mich doch für einen kleinen Umweg. Die Fahrt geht über Listowel bis zum Fluss Shannon. Ich habe erfahren, dass es in Foynes, das direkt am Shannon liegt, ein Museum für Flugboote gibt. Das kann ich mir nicht entgehen lassen. Aber alles der Reihe nach…

Shannon

Bei Glin treffe ich auf die Coast Road die entlang des Shannon führt. Er ist nicht nur der Wasserreichste sondern mit 370 Kilometern auch der längste Fluss Irlands. Ich werde ihm aber nur ein kleines Stück folgen. Der Shannon ist bei Freizeitskippern sehr beliebt. Viele Irland-Urlauber mieten einen motorbetriebenen Kabinenkreuzer, um für eine oder zwei Wochen auf Flüssen, Seen und Kanälen durch die grüne Landschaft zu schippern. Bootsführerschein – nicht notwendig – die Kähne haben max. 45 PS. Man bekommt ausführliche Anweisungen bei der Übernahme, detailliertes Kartenmaterial ist ebenfalls an Bord.

Shannon Irland

Die Straße windet sich entlang des breiten Mündungsarmes, der schon stark von den Gezeiten des Atlantiks beeinflusst ist. Ich kann mir gut vorstellen dass das optimale Bedingungen für Flugboote waren, die damals, nach ihrer langen Reise über den Atlantik, eine geschützte Wasserfläche zur Landung suchten. Mit farbenfroher und vielfältiger Flora geizt der Shannon nicht…

Shannon

…in seinen Niederungen, Buchten und Binnenseen haben verschiedenste Tiere und Wildvögel ein Zuhause gefunden.

Ich erreiche Foynes eine kleine Stadt am südlichen Ufer des Shannon. Der Hafen wirkt nicht sehr einladend, aber wie gesagt mich interessiert sowieso das Museum.

Foynes Harbour

Foynes spielte von 1939 bis 1945 eine außergewöhnliche Rolle in der interkontinentalen Luftfahrt.

Mit Flugbooten wie der Boeing 314 wurde der transatlantische Luftverkehr von hier aus bedient. Foynes galt in dieser Zeit als Zentrum der Luxusfliegerei. Hier existiert auch das einzige Flugbootmuseum der Welt. Es gibt eine reichhaltige Ausstellung aus der damaligen Zeit zu bestaunen. Das Herzstück bildet die in Originalgröße nachgebaute Boeing 314 „Yankee Clipper“.

Foynes, Flugbootmuseum, Boeing 314, Yankee Clipper

Sie war in ihrer Zeit das größte Flugzeug der Welt, enormer Luxus den sich nur die Superreichen leisten konnten. Die Sitze konnten in Betten umgebaut werden selbst für heutige Verhältnisse, Luxus pur.

Foynes, Flugbootmuseum, Boeing 314, Yankee Clipper

Im Vergleich zu den Instrumenten in modernen Flugzeugen, das Cockpit der Boeing 314, es wirkt antiquiert.

Foynes, Flugbootmuseum, Boeing 314, Yankee Clipper

Hier soll auch ein besonders Getränk erfunden worden sein.

Die Geschichte dahinter: Spät am Abend im Winter 1943, startet ein „Yankee Clipper“ mit Ziel Neufundland.  Nach einigen Stunden Flug musste die Maschine wegen schlechten Wetters wieder umkehren.

Foynes, Flugbootmuseum, Boeing 314, Yankee Clipper

Am Flughafen von Foynes war man durch eine Funknachricht vorgewarnt. Der Restaurantchef wurde gebeten sich etwas Besonderes einfallen zu lassen um die müden Passagiere wieder aufzuwärmen. Er entschied  sich etwas irischen Whiskey in den Kaffee zu geben – und schon war der „Irish Coffee” geboren.

Die Zeit vergeht, ich muss weiter. Irland´s Mitte lasse ich aus Zeitgründen links liegen. Nach einer Übernachtung bei Galway geht´s weiter in Richtung Norden, Connemara wird auch gestrichen, der Urlaub ist begrenzt.

Friary Claregalway

Auf meiner Reise durch Irland treffe ich immer wieder auf verfallene alte Klöster. Bei Nacht ein ganz besonderes Erlebnis. Dieses nur mehr in Form einer Ruine bestehende Friary Claregalway wurde für die Franziskaner Mönche erbaut. Die Überreste zählen zu den wichtigsten Zeugnissen der Architektur von  Franziskaner.

Rosses Point

In Rosses Point  soll sich ein besonders schöner Campingplatz befinden, das stimmt, hat aber im September bereits seine Pforten geschlossen. Aber es hat alles seinen Sinn, ich finde ganz in der Nähe einen schönen Platz zum Übernachten, fantastischer Ausblick inclusive.

Rosses Point

Wir machen uns gleich auf den Weg, für uns beide eine interessante Erkundungstour.

Gandhi Rosses Point

Dabei treffen wir ein junges Paar aus Ried im Innkreis, Österreich lässt grüßen. Die Beiden machen eine Ausbildung zum Krankenpfleger, das Praktikum an einer Klinik in Dublin. Ihre Freizeit nützen sie um Irland auf eigene Faust kennenzulernen.

Rosses Point

Der Leuchtturm von Rosses Point markiert die Einfahrt in den Hafen von Sligo. Er war 1588 sicher noch nicht auf seinem Platz.

Rosses Point

Zu dieser Zeit war die spanische Armada hier „zu Gast“. Nichts Gutes im Schilde führend, liefen einige ihrer Schiffe im Sturm auf Grund.  1985 endeckten Archäologen die Überreste der Spanier.

Rosses Point

Man kann es erahnen, es ist nicht ungefährlich hier. Die Hinweisschilder weisen darauf hin, die See ist unberechenbar.

Rosses Point

Der bekannte Poet William Butler Yeats verbrachte in Rosses Point seine Sommerurlaube. Als erster Ire erhielt er den Literaturnobelpreis und gilt heute noch als einer der bedeutendsten englischsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

William Butler Yeats

Das bringt mich „an sein Grab“ besser gesagt in die Ortschaft Drumcliff. Yeats nimmt auch Bezug auf die vielen Sagen und Legenden die auf der grünen Insel erhalten geblieben sind.

William Butler Yeats: „Irland, noch immer vorwiegend keltisch, hat sich neben wenigen schönen Dingen eine Begabung zur Vision bewahrt, die bei hektischen Völkern ausgestorben ist. Uns konnten keine lichtspendenden Leuchter daran hindern, ins Dunkel zu blicken, und wenn man ins Dunkel blickt ist etwas drin.“

Irland

Verlässt man die Hauptstraßen, die an sich schon besondere Anforderungen an das Material stellen, und versucht es über Nebenstraßen, kann es schnell zum Abenteuer werden.

Irland

Wir sind bereits in der nördlichsten Grafschaft Irlands. Donegal, meiner Ansicht nach noch schöner, wilder und unberührter als der so hoch gerühmte „Ring of Kerry“. In Killybegs lege ich eine kurze Pause ein. Eine Hafenstadt mit dem produktivsten Fischereihafen Irlands, was immer das auch heißen soll. Zumindest liegen, nach offizieller Auskunft, zu jeder Zeit mindestens 60 moderne Fischerboote hier vor Anker.

Killybegs

Nicht nur von der Fischfangindustrie, sondern unter anderem auch von Schafzucht lebt das Land. Irland war ja ein sehr armes Land und böse Zungen behaupten, als zahlreiche Iren auswanderten vergaßen sie ihre Schafe mitzunehmen.

Donegal

Deshalb gibt es in Irland mehr Schafe als Menschen – 4,5 Mio. Menschen stehen ungefähr 11 Mio. Schafe gegenüber.

Donegal

Die Strecke führt vorbei an winzigen Weilern, sie werden oft nur mehr bewohnt von… richtig, Schafen.

Donegal

Von einem kleinen, etwas versteckt gelegenen Parkplatz führt eine schmale Straße entlang der Küste zum nächsten Highlight, den Klippen von Slieve League.

Slieve League

Am Parkplatz lasse ich das Auto stehen und mache mich zu Fuß auf den Weg. Gandhi sieht das ganz anders, man könnte hier ja auch fahren.

Slieve League

Nein wir gehen, mein Argument – So verpassen wir garantiert nichts von der beeindruckenden Landschaftskulisse.

Slieve League Slieve League

Während der Wanderung zum höchsten Punkt genieße ich herrliche Ausblicke auf den Atlantik, die Sligo Mountains und Donegal Bay.

Donegal Bay, Slieve League

Wenn man oben angekommen ist, überragt die Felswand von Bunglas das Meer um über 600 Meter. Die richtige Ausrüstung vorausgesetzt, kann man nach dem Aussichtspunkt noch weiter wandern. Der One Man’s Pass führt weiter bis zum Pilgrim’s Path.

Slieve League,Donegal Bay

Die Klippen von Slieve League gehören mit ihren 601 Metern zu den höchsten und atemberaubendsten Meeresklippen in Europa.

Slieve League,Donegal Bay

Eine Steinmauer in Form eines Halbkreises schützt die Ruine einer Kapelle die sich ganz oben auf den Klippen befindet. Der heilige Aed soll hier in einer Einsiedelei gelebt haben.

Slieve League,Donegal Bay

Über Glencolumbkille geht es weiter, auf schmalen Wegen …

Glencolumbkille

…die Straße windet sich in engen Serpentinen hinauf auf den Glengesh Pass. An seinem höchsten Punkt hat man einen atemberaubenden Blick in das Tal von Ardara.

Tal von Ardara

Ardara gilt als das Zentrum für den berühmten Donegal-Tweed. In etlichen Shops wird das edle Tuch hier angeboten. Ich halte mich nicht lange in Ardara auf, folge der R 261 und biege bald gen Westen ab. Eigentlich möchte ich nach Rossberg, eine kleine Streusiedlung die bei Hochseeanglern sehr bekannt und beliebt ist.

Rossberg

Hier soll es einen schönen Campingplatz in den Dünen geben. Ein Blick über den Dünenkamm…

Rossberg

…lässt mich erahnen warum dieses Stück Irland so beliebt ist. Tramore Beach ist nur einer von mehreren schönen Sandstränden.

Tramore Beach, Rossberg

Hier kann man auch immer wieder Delphine beobachten, für mich bleiben diese Tiere leider unsichtbar.

Als ich verwundert gen blauen Himmel blicke und die vielen Kondensstreifen der Flugzeuge betrachte, spricht mich eine Frau an. „Das ist die Hauptroute für Flugzeuge die nach Amerika wollen“ und hinter vorgehaltener Hand „es waren nicht alle Flugzeuge willkommen die hier am irischen Shannon Airport gelandet sind.“ Während des großen Irak Krieges nützte Amerika diesen Airport anscheinend als Zwischenstation für ihre Truppentransporter. So die Story der Dame aus dem Dorf.

Tramore Beach, Rossberg

Nach einer stürmischen Nacht fahre ich weiter entlang der Küste.

Rossberg

Ausgerechnet an einer Stelle wo das „overnight parking“ verboten ist, treffe ich auf ein Wohnmobil mit nordirischem Kennzeichen.

Die große Antenne und zusätzlich eine SAT-Antenne machen mich neugierig. Ein „Hallo, what a beautiful day“ zerstreut jeglichen Verdacht. Es ist ein Ehepaar im Pensionsalter, mit dabei, ein kleiner Hund.

donegal

Sie leben in Londonderry, hier in Donegal sei die Landschaft einfach schöner, so ihr Argument für ihre Reise.

Mich plagt die Neugier, ich frage was das mit den Antennen auf sich hat. „ Ich bin Amateurfunker und war heute schon mit Neuseeland in Verbindung“ erklärt er mir ganz stolz. Es sei sehr zeitintensiv meinte er weiter und um seine Frau nicht zu verärgern hat er noch schnell bei ALDI ( auch das gibt’s in Irland) eine SAT-Antenne gekauft. Damit ist in jeder geografischen Lage die Funktion des Fernsehgerätes und somit die Verbindung zu der, von seiner Frau so geliebten „Daily Soap“, gesichert.

Donegal

Ich vergesse fast die Zeit, der liebenswürdige irische Schlendrian wirkt ansteckend. Als ich aufbreche meint der freundliche Amateurfunker noch: „In Irland sagt man – als Gott die Zeit schuf, hat er genug davon gemach – also keinen Stress“. Trotzdem, für mich geht es weiter…

Ende Teil 2

Hummer und Lachse gibt es im kleinen Fischerort Burtenport, mein nächstes Ziel. Anschließend geht es weiter bis ganz in den Norden um im nördlichsten Pub Irlands ein Guinness zu trinken.

Das alles und viel mehr im 3. Teil. GandhiSo long…

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